Lazarus:Dritte Stadt 7

Von Captain Carey Curry CeSel Cahoi

Die TARDIS ist eine fiktive Raum-Zeit-Maschine aus der britischen Science-Fiction-Fernsehserie Doctor Who. Der Name ist ein Backronym und steht für Time And Relative Dimension(s) In Space (Zeit und relative Dimension(en) im Raum). In der deutschen Synchronisation wird TARDIS mitunter (bspw. im Fernsehfilm von 1996) zum Backronym für „Trips aufgrund relativer Dimensionen im Sternenzelt“. Das Wort Tardis stammt aus dem Lateinischen und bedeutet LANGSAM, LANGE DAUERND oder IN DER ZEIT FORTGESCHRITTEN.

Hofburg
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Performancefestival OPEN
Look what’s coming across the Grass!

Look what’s coming across the Grass!
Die Angewandte im MQ, mumok Hofstallung
Samstag, 10. Mai 2014, ab 16 Uhr
Performances
Lectures
Concerts
Mit:
Marina Abramovic
bad weather report  
Nikolaus Gansterer / Emma Cocker
Sabina Holzer & Jack Hauser
kozek hörlonski + Sir Meisi
Krassimira Kruschkova
Alfred Lenz
Martina Menegon & Stefano D’Alessio
Peter Regner and  friends
Barbis Ruder
Anna Vasof
Brigitte Wil?ng
DJs
Fauna
Misonica
Künstlerische Leitung:  
Peter Kozek und Brigitte Wil?ng
Künstlerische Mitarbeit: Jack Hauser
Eine Veranstaltung der  
Universität für angewandte Kunst Wien
Oskar-Kokoschka-Platz 2, 1010 Wien
Die Universität für angewandte Kunst stellt
mit dem Festival OPEN die Begegnung
der Performance der darstellenden und
bildenden Kunst in den Mittelpunkt.
Performances, Lectures, Wildes Reden,
Installationen und Konzerte eröffnen
Denkräume, die die unterschiedlichen theore-
tischen Betrachtungs- und praktischen
Präsentations-, Arbeits- und Produktions-
weisen der beiden Felder beleuchten.
Die Musealisierung der Performance,
die Öffnung der Institutionen und der
repräsentativen Orte der Kunst für das
Ephemere wirft die Frage auf, wo Kunst
zukünftig statt?ndet, wie das Museum der
Zukunft aussieht und was Performance
sein kann.
Wenn sich eine Welt öffnet, wo das Offene
sich darstellt und ausstellt, DANN be?ndet
sich die Performance an ihrem potentiellen
Ort. Die Kunst der Performance passiert
an der Grenze des Bestimmten und radi-
kalisiert sich durch Entzug und Wildheit.
Wenn es überall um Performance geht,
DANN gilt es sich darum zu kümmern,
dass die Performance spezi?sch unbe-
stimmt bleibt. Die Kunst der Performance
öffnet einen dritten Raum, der nicht die
gemeinsame Schnittmenge zwischen Dar-
stellender Kunst und Bildender Kunst ist,
sondern eine involvierte Durchdringung
von Welt herstellt.
Begrüßung
Gerald Bast
Rektor der Universität  
für angewandte Kunst Wien
Einleitende Worte
Peter Kozek
Künstler
Brigitte Wil?ng
Choreogra?n, Performancekünstlerin
Programm
Alfred Lenz
Musikinstrument  
Installation
Peter Regner gemeinsam mit Marcel Jira,
Peter Reschenhofer, Kiriakos Tsukalas und
Jakob Unterwurzacher
barwin
Cocktailroboter
16.00  Barbis Ruder
macht übungen
Performance
Anna Vasof
Mohammad’s Steps
Performance
kozek hörlonski + Sir Meisi
Medicine Mountain –  
Learn to Love in Seven Days I  
Video
16.45 Jack Hauser, Sabina Holzer
Hereinspaziert  
Dia-Essay
17.30  Eröffnung
18.00 Marina Abramovic
Marina Abramovic Institute (MAI)
Lecture
19.00  Pause
19.30 Brigitte Wil?ng
egobreathing  
Performance, Installation
20.30 Krassimira Kruschkova
Performance heute oder
Die Verwerfungslinien von darstellender
und bildender Kunst
Lecture
21.30 Nikolaus Gansterer / Emma Cocker
INTERVIEW corpusweb: Drawing on Drawing a Hypothesis
Performance Lecture
22.00 Martina Menegon & Stefano D’Alessio
Out of Countenance
Video Performance
22.20 Barbis Ruder
macht übungen
Performance
Anna Vasof
Mohammad’s Steps
Performance
kozek hörlonski + Sir Meisi
Medicine Mountain –  
Learn to Love in Seven Days II
Video
23.00 Jack Hauser, Sabina Holzer
Hereinspaziert  
Dia-Essay
23.30 – 3 Wildes Reden
Gastgeberinnen:  
Jack Hauser & Sabina Holzer
im DSCHUNGEL WIEN, CAFÉ.BAR
00.00 bad weather report  
III
Concert
00.30 – 2 Fauna Live (moun10)
Misonica

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7. TEIL

DAS IST DER ZEITUNGSCO(S)MIC: PLAY
Die dritte Stadt

(eine herausgenomme Figur des Spiels von David Ender & Jack Hauser durch fortgesetzte Manie beider)

Reisen im Geräusch
Liebe Leserin! Von dem famosen Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton gibt es nicht nur die so sehr beliebten Geschichten, dass sogar der Name des protagonierenden Pfarrers ins Deutsche übersetzt wurde, und dieser nicht bloß von dem in Deutschland ebenso beliebten Heinz Rühmann, sondern auch von dem sehr dicken Otfried Fischer als versteckte Rolle, in einem Film also oder mehreren, gespielt wird, sondern auch (das zweite sondern auch in diesem Satz, nachdem auch nicht nur und nicht bloß schon vorkommen) andere Werke, von denen, wie das häufig der Fall ist, manche an Bedeutung, Gewicht oder wie immer man es nennen mag, die ersteren übertreffen. Zum Beispiel der Mann der Wochentag war. Oder zum Beispiel die Rückkehr der Kathy Acker. Oder zum Beispiel das fliegende Wirtshaus (nicht Mondschein, oder?), das Teil einer langen Reihe von Wirtshausbüchern verschiedener Schriftsteller aus allen Epochen ist, Fritz Leiber, Arthur C. Clarke, alle Science-Fiction-Autoren seit Geoffrey Chaucer.
Rreisen im Geräuschsch
Tisch 509 im Schutzhaus zur Zukunft. Der Kastranienbum (Kastanienbaum) hat nicht nur einen Eskimo-Eis-Mülleimer angeheftet, er hat auch ein kreisrundes Metallplättchen affichiert – soferne ich so sagen darf bei etwas, das mit mindestens einem Nagel angeschlagen wird –, auf dem die Nummer 14 eingraviert ist, was also nicht die Tischnummer ist. Der Baum ist dadurch in seinem Wachstum partiell behindert und bekommt etwas von einem Schlüssel, der niemals nach Hause finden kann. Aber jetzt kommt’s: Er hat auch noch ein einzelnes, eingewachsenes Auge in der Größe eines Tennisballs. Das ist wirklich ganz selten.
„Was macht dieses Auge?“
„Es sieht. Was sonst soll ein Auge tun?“
„Was sieht es an?“
„Es blickt auf den Tisch, auf den regelmäßig Kellner fallen, die anderen Leuten Feuer geben wollen. Es blickt um sich. Der genaue Radius seines Sehbereichs ist noch nicht ermittelt.“
„Woher kommt es, wohin geht es?“
„Kokonino Kounty, wo sonst her?“
Reisen im Geräusch
Jetzt kommt eine Aufzählung:
Way. Ray. Rrey.
Man Rei.
Hahn Ray.
Ray Johnson.
Ray Davis.
Raymond Roussel.
Raymond Queneau.
Raymond Chandler.
Jean Ray.
Ray Harryhauser.
Ray Bratenburry.
Nicholas Ray.
X-Ray 1 X-girl C.
Raymunde Minerva.
Raymond Minerva musst du wirklich so schreiben, wie ich es gesagt habe, sonst ist es ein Kanagramm.
Array.
Hurray the gang’s all here.
Raysie Tant.
Ray Pikilien.
So ein Raynfall.
Raynbouw.
Bray to the Loud.
Wie heißt denn dieses Kinderbuch, wo der Elefant der König ist? Ray Babar der Elefant von König, Rhay Barbara seine Frau. Und die vielen Kinderchen, eines elefantiger als das andere. Manchmal auch verzweifelt.
Köcher
Schatulle
Tresor
Gehäuse
Deckel
Futteral
Scheide
Schädel
Catsuit
Fabergé
Hohlraum
Öffnung mit Schließmuskel
Höhle
Loch
Die kleine Hexe mit ihrem Rayban Abraxas.
Nevermore!
Am 9. August 2013 sitzen David und Jack in Pápoc, Ungarn. Jack sagt: „Tibor.“ David antwortet: „Avenida de Torres.“ Das, was er da antwortet, ist eines der Dinge, die ihm (auf lange Sicht, im Laufe von Jahrzehnten etwa) am häufigsten einfallen, ohne einen Grund zu haben, diesen Einfall zu vollziehen. Manchmal fallen ihm auch Worte in fremden Sprachen ein, von denen er dann keine Ahnung hat, was sie bedeuten, und die Folge davon ist, dass sie sich um so heißer und tiefer in sein kuhfellartiges Gedächtnis einbrennen. Andererseits aber kennt er auch viele Worte, die schon eine Bedeutung haben oder zwei. Etwa das Wort Svastika, das nicht bloß (da ist es wieder) die landläufige Bedeutung für sich beanspruchen kann, sondern im Sanskrit auch die Bezeichnung für eine bestimmte Knoblauchart ist. Ja so gscheit ist er.
Wohin mit all dem Wissen?
Herschenken! Weiter erzählen! Denn wer nicht für sechs Stunden Zeit findet, dem Regen im Film Bella Dars (Béla Tarrs nämlich) zu lauschen, der findet auch kein Glück im Kino. Und außerhalb schon gar nicht, ätsch. Ätzt H.C. Hartmann.
Noch ein gscheiter Satz, wenn wir schon so gscheit sind: „Die Nymphe Kalypso – siehe oben – die Nymphe also ist ein Ununterscheidbares zwischen Originalität und Wiederholung.“
„Wer sagt denn so etwas?“
„Wann beginnt unser Werk, David?“
„Du zuerst.“
„Bitte keinen Gründungsmythos, keine Geburtsstunde.“
„Lieber ein Hundestangerl?“
„Wann beginnt unser Werk?“
„Hartnäckig. Unser Werk beginnt, als … sobald wir feststellen, dass es in den Bereichen unserer Interessen Überschneidungen gibt wie etwa den Zauberer Satie, der als einer der ersten die Musik aus der Musik hinausführt. Diese Hinausführung führt uns auch weiter hinaus, und seither versuchen wir, uns anständig auf diesen verschwommenen, ab und an kaum wahrnehmbaren Schienen fortzubewegen. Die Richtung entsteht mit der Bewegung, sie ist keine Bedingung. Und wer sagt so etwas? Jetzt du.“
„Neeein!“
„Na geh!“
Oaris – hehe – ist die nach einem bekannten Spion-Algorithmus, der nur auf den ersten Buchstaben angewendet wird, verklausulierte Hauptstadt.
Jetzt zum Schluss noch etwas ganz Schönes.
Miryam van Doren, Karin Dor, Sophia Loren, Peter Lorre, Alador Rácz, Dorian Gray, Christian D(i)or, the Dormouse, Halldór Laxness, Halldór Guðmundsson, DeLorean, Theodor und Theodora, Dorit, Dorli, Little Dorrit, Mordor, Lorenor Zorro, Doreen in irgend einem Roman aber welchem?, Jay Cantor, Lord Byron, Gaylord Cars, Lord Zwiebus, Dortmund, Little Lord Fountleroy, Guy Delord, Via Dolorosa, Fjodor Dostojewski.
Oh oh.
2015-12-10
Trait – Trite – Tripe
Tritt auf, tritt ein, tritt zu. Noch immer Donnerstag, eine lineare Unterbrechung. Zehnter Dezember. Sicher kommt Jack, sicher ist er da, sicher ist er sicher, obwohl ich es nicht genau weiß. Und so stehe ich um 6 Uhu 14 auf, obwohl ich es nicht genau weiß. Diese Überlappungen und Richtungswechsel, das plötzliche Springreiten Davids wird in das Typoskript eingearbeitet. Teils die infinitive Form übernommen, das Präsens maltraitiert, und wieder taucht das Datum in unseren Zusammenhängen auf – jedoch nicht, wie es bei Konrad Bayer und Radio Enterprise steht, eine Verkündung drohenden Unheils, nein! – in einen glücklichen Strich, einen Fluss zu kommen, und das Wasser sich in der Stadt Oaris ergießt. Dem zuwider läuft ide punktuelle Formulierung des Datums.
Und da: Über dem Himmel das Menetekel, es ist der Zehnte, ich blättere durch die Reisenotizen von Maistre, Abfahrt, Koffer, Westbahnhof, die Taschenbücher nicht nur zu schlecht, sondern auch zu teuer, in Zeitschriften steht alle zwei Jahre dasselbe mit leicht verändertem Titel. Ich schnappe mir den neuen Paco Ignacio Taibo VII oder XIX, die Comics sind auch zu teuer. Ich schlafe sofort ein. Da stehe ich und schlafe in einem Buchladen um 1985 oder –86, so genau mich zu erinnern kann nicht von mir verlangt werden. Es gibt jedoch noch die Kontrolle an den Grenzen, das Licht geht aus, ich winke ins Nichts.
Die Unterbrechung ist groß, schlank, und trägt blaue Handschuhe. (Preussisch Blau? Peruanisch Blau?) Bei Katharina im Tom Peerstall trinke ich mehrere Kaffees, bis ich keinen Flipperautomaten mehr unterscheiden kann.
The Addams Family. Pirates of the Caribbean. Terminator. Superman. Berühmte Flipperautomaten, deren Namen sich niemand entsinnt. Der beste unter ihnen heißt Hembert, hier werden die Bälle (Kugeln, wird man mich korrigieren) mit einem Queue gestoßen. Diebstähle hier und überall. Ich schwitze. David schwitzt. Jack schwitzt. Die Frau schwitzt. Die Leserin indessen beobachtet, während sie liest, völlig schweißfrei das Blitzende, das sie, in den Spiegel blickend, erblickt. Sie schaut aus dem Fenster und sieht Schafen und Kühen entgegen; er sieht ihnen nach.
Wieder zu schreiben, was man bereits schreibt. Mit solcher Intensität, dass dabei unvermutet Welt erschaffen wird, die dann als festliche Mahlzeit zu verzehren genehm ist. Andere gehen von der persönlichen Wirkung einzelner aus. So wird von Connie, dem Kreiszieher, berichtet, der durch einen gezogenen Kreis Regen bannt. Keine Ahnung. Im Zusammenhang der Reflexionen über die praktische Wirksamkeit des geschriebenen Wortes müssen insbesondere magische Furunkeln mit Namen erwähnt werden, wie sie auch in der Antike schon auf Amuletten erscheinen, wenn man es am wenigsten vermutet. Von Kabbala im engeren Sinn spricht man erst seit dem 12. Jahrhundert. Die Eigenschaften Gottes in Zahlen gekabbelt, Sandstein, Erde, Würmer. Spekulationen über den Namen und die Bedeutung seiner Schreibweise, Geometrie, Buchstabenlehre, das Geodreieck in der Spekulation der religiösen Meditation. Parshem, weiß mit dem Namen umzugehen, Pilzsorten mit dem Namen aufrufen, Krawattenknoten, eins zwei drei. Vom 15. Jahrhundert an erwacht das Interesse an Krawatten, die aus den Buchstaben des Namens zusammengezogen werden.
In Oaris zum Beispiel üben schielende Einäugige, Leute mit Brillen, mit unterschiedlichen Augenfarben, mit einer Beeinträchtigung der halben Seite oder einem Monokel aufgrund ihres penetranten Geruchs eine besondere Wirkung aus und werden ebenso verehrt wie das Fernrohr, welches wiederum in der Kabbala eine Rolle spielt. Dies wird einleuchtend, wenn man die Form des Fernrohrs beachtet. So bewegen sich nun durch das Rohr zwei schwarze Gestalten, vermummt, mit Augenmaske, venezianisch verbrämt, wobei die als zweite gehende Gestalt eine schlafende Person nicht nur imitiert, sondern auch auf beiden Händen trägt. Zugleich. Diese schlafende Person sitzt am Schreibtisch in ihrem Kämmerchen, tr#äumt sich am Schreibtisch sitzend mit einer goldenen Katze am rechten Arm, einem goldenen Topf in der Punschlade. Alles glänzt, sogar das Schwarze, sogar das Blaue, die Lederhandschuhe. Autos schießen durch die Straßen, ist jemand verletzt? Das Meer legt sich ruhig auf die Schulter, eine leichte Kühle wird bemerkbar, der weiße Marmor, bemalt mit türkischen Blumen, die auch türkis sein könnten, der Sandstein gewisser Statuen, die, wenn sie zum Leben erwachen, o Commendatore, so sehr bröseln, dass ihnen eine Reinigungskraft mit Besen und Schaufel nachgeschickt werden muss.
Die vorgestellten Punkte zeigen ausnahmsweise Berührungen und Unterschiede, Sinneswahrnehmungen, einen geänderten Blick auf die Wahrnehmung und deren Bedeutsamkeit. Können wir überhaupt anders, als durch die Wahrnehmung erfahren? Auch das Denken kommt aus der Wahrnehmung. Können Ideen überhaupt ihrer Natur nach ab ovo einen künstlerischen Ausdruck haben, Versuche, sich übersehene Probleme bewusst zu machen? Schreiben ist kein Mittel künstlerischer Darstellung, sondern ein Instrument für den Schreibenden und seine im Schreiben merklich werdenden Vorstellungsverschränk- und -schrankungen.
Ohe. Das, was von der Realität aus gesehen anders möglich ist. Alles, was wir überhaupt beschreiben, sehen, schmecken können, kann auch anders sein. Alles, was wir uns anders vorstellen können, können wir uns vorstellen. Das kann die Sprache sagen. So ein Blödsinn. Die Sprache sagt gar nichts. Oaris ist die Gleichzeitigkeit des Raumes.
In Oaris glänzt die Sonne und blüht die Erde. Blüht die Sonne und glänzt die Erde. Fett. In der Ackerkrume eine Unzahl von Lebewesen, viele von ihnen nicht nur unsichtbar, sondern auch mikroskopisch. Der makroskopische Rest ebenso unsichtbar, bis der Storch um den Eckstein springt.
Am 10. Dezember ist die Tür in ein helles blaues Licht getaucht. Wir sehen sie. Blaumeise dreiundzwanzig greift zufällig in die Tasche links und findet den Tabaksbeutel. „Das ist mein letztes Vergnügen,“ denkt er, öffnet sie, schlüpft hinein, zündet sie – ungleich dem russischen Märchen vom Tabaksbeutel – an, und als der Dampf die Kombüse geläutert und geschwängert hat, hupft ein garstig klein Männlein herauß und frägt: „Herr, was pefiehlstu?“
Hembert Nora atmet nicht, und sein Gesicht nimmt langsam die Farbe eines Handschuhs an, passend zur Konsistenz der Epidermis.
Das Hausd in Oaris ist sehr groß, beinahe so großwie die ganze Stadt. Beinahe wagen Jack und David nicht, es zu betreten. Da es aber zu nieseln, in der Folge auch zu nesseln, zu schütten und zu rasdcheln beginnt, kann uns Herr Schranz überreden, doch noch einzutreten. Wir verstehen fast nicht, was er sagt, vielleicht erklärt er das Läuten eines Reiseweckers. Wir setzen uns zu dritt um einen Tisch. Die Lohndon-Sessel bieten Platz sowie eine Flasche Konack und drei vier Gläser. Ein Kiebitz muss sich wohl aufhängen, damit er mir in die Karten kucken kann. Ich werfe das Blatt auf den Tisch, wo es sofort Wurzeln schlägt. Was ist denn eigentlich dieser sylberne Zilinder? Wo ist er in diesem Augenblick? Hosensack, Koffer, Tisch, Nachtkästchen, wird er erst später gebracht, als der Postmann schon zweimal anruft? Eine Art 3D-Drucker?
Was ich vergesse, zu erwähnen, ist, dass ein Catsuit und ein Blaumann jeweils auf getrennten, individuellen Kleiderbügeln hängen, typisch wie im Hotel, dass sie nicht in die Hosentasche passen, mit einer dicken Minorkel, unglaubliches Teil, ein Pracholder, ein richtig großes Ungetüm von etwas. Links Catsuit, rechts Blaumann, dazwischen der Kasten des Schranks, in dem sie sein könnten, aber nicht sind. Hatten sie Streit, dass sie fremde Seiten beziehen?
Dann geht die Türe auf, die Türe öffnet sich, die Türe wird geöffnet, und so etwas fällt auf die Tür, man kann es nicht Objekt nennen, und das will ich auch gar nicht. Mehr ein U-Hakerl (wie wir hierzulande zu sagen pflegen), gebildet aus einem Vollkörper-Badeanzug, mit einer ebenfalls schwarzen Badehaube, die sich über Ohren und Nacken ziehen lässt, mit schwarzen Flossen ohne Froschmann-Aspekt, und dazu eine grüne (!) Atemmaske (oder auch Stickmaske), die entsteht durch das Luftanhalten und gleichzeitiges Schwitzen. Am Finger der rechten schwarzen Hand ein Klunker von ungewöhnlichen Ausmaßen, beinahe so groß wie das eh schon enge Zimmer.
So groß wie die Lebensansichten der Inuit oder des Katers Murr.
Frantz ist der Scheinheilige der Tiere. Ist das alles? Das ist ein Teil. Können Sie das alles besser erklären? Es ist das Wesen der Erklärung, dass sie offen lässt. Das ist Erklärung, dass ich einen Mund habe, und Ohnen, zu Hönen.
Wenn es dem Mund zu kalt ist, wird die Erklärung zur Erkältung. Manchmal endet diese in Verklärung. Wenn der chromgelbe Rotz, weil in der Nase kein Platz mehr ist, ins Gehirn diffundiert und dort eigentümliche Farbwahrnehmungen hervorruft sowie auch das Denken verschleimt. Aber der Tanz der Stunde verlangt ein anderes Tempo. Richtig verarbeitet, sind auch die härtesten Handschuhe genießbar, und im Tanz steckt mehr subversives Potenzial als im Schlager. In der mehr als einstündigen Wiederholung desselben Songs stecken ja auch Penetranz und Ubueske Dreistigkeit. Jack kann sich sehr gut vorstellen: „Guten Tag, mein Name ist Jack.“ Auf der Schallplatte von dieser britischen Rockband der Sechziger Jahre des mittlerweile ausgelaufenen Jahrhunderts. (Billig abzugeben.)
Und was macht Helmbert in der Sterngasse?`Es ist spät geworden, liebe Leserin. Du wirst ahnen, dass David und Jack, verunsichert durch die gemeine Angst, dass eine Bö einfahren könnte in diese Straße und sie aufwehen wie eine Kaisersemmel, runterwehen in Richtung Donaukanal, wo sie herumpurzelt. Sie dürfen gar nicht dran denken. Weiter fahren, weiter schreiben. Doch hier, wohlbehalten im Laternenlicht, nimmt sich einer von uns beiden deiner an, wo du dann bist, mit dieser Figur im Flur hinter der Wohnungstur. Auf jeden Fall.
Und dann aber dieses Innere, das dunkle Innere alter Gebäude, die Höfe und Gehöfte in der Wiener Innenstadt, vershiedene Aufnahmen aus dem Wiener Wurstelprater sowie färbiges Vorspannmaterial aus dem Wiener Filmcasino verbinden sich zu 2 Kader kurzen Musikstücken, die der Rhythmisierung dienen. Umta ta um. Das Einebnen von fremdem Material macht die eindeutige Identifikation unmöglich. Antiexpressiv? Danke, ich hatte heute schon Kaffee. Doch dieses Wuchern hat einen Sinn. Ein Subjekt bildet sich. Ist auch besser so. Bildung gilt in der Arbeitergeneration meiner Omama schließlich noch als Weg in die Freiheit. Heute hingegen werde ich scheel angesehen, wenn ich etwas weiß. Na ja.
Als David keine Groschen Geld hat, lädt er mich zu einer ausgedehnten Reise nach Berlin ein. Zuerst stoppen nach der bayrischen Metropole Tittmoning, wo uns der zukünftige Schreiner und Ackermann mit seinem Schrottmercedes weit über die innerdeutschen Landesgrenzen hinaus bis nach Hamburg bringt, und das nicht nur mit mehreren Strafzetteln, sondern auch einem funktionsunfähigen Keilriemen (wie sich bald herausstellt, zum Glück nicht zu früh). Es ist so arschkalt, dass wir kein Grundeis brauchen. Wir frieren uns fast die Zipfel ab, nur Ackermann mit seiner Mütze á la Arzach bleibt heiter, sein Gemüt scheint dem in Wollfusseln Gekleideten geradezu sonnig.
Damals kann ich mich noch ganz häufig verlieben, manchmal mehrmals täglich.
„Das habe ich ja auch!“ sagt Jack und bestätigt damit, dass es, wenn schon nicht Wunder, so doch noch Zeichen gibt. Dafür nimmt er gleich einen Band des Schundkrimis Nick Knatterton zur Hand und bringt einen neuen Kognagck mit zwei Gangstern statt Eis. Elijah Schneeweiß entbindet seine Cravatte und denkt seine Umgebung völlig weg. Nickel-Ijah konzentriert sich so stark, dass um ihn herum alles versinkt. Sein geistiges Auge deckt sich genau mit dem Schlitzmuster, Schlipsmuster. Elijah denkt logisch und fühlt sich instinktiv. Jack: Verstehe, das ist Mirjam, ich erkenne sie an typischen Eigenartigen des Ganges und der rückwärtigen Körperformen. Mit typisch deutschigem Elan packt er zu und befestigt sie. „Miryam, wie haben sie sich verändert, nicht nur äußerlich!“
„Ach Elijah, ich muss Ihnen so viel erklären …“