Lasst Ai Weiwei sofort frei!

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DIE LOGIK DER SCHMEISSFLIEGEN

was ist das für ein erbärmlicher staat, der es nötig hat, „autorität“ zu zeigen, indem er einen kritischen künstler wegsperrt? ein lächerliches, aufgeblasenes gebilde aus kleinkarierten, paranoiden bürokraten, die sich vor einem einzelnen aus der mitte ihrer bevölkerung in die gebügelten hemden machen. ein ekliges, feiges und rückständiges ausbeutersystem, das von den schillernden schmeißfliegen des kapitalismus westlicher provenienz umsummt wird wie eine drei-schluchten-fäkaliengrube.
 

die logik der schmeißfliegen: sich’s bloss nicht verscherzen. ja, das ist eine form des machtspiels, und zwar eine widerliche. aber es ist noch mehr. eine giergetriebene spekulation. wenn der westen lange genug zuschaut, dann wird das chinesische regime schon von selbst. was auch immer. auf jeden fall weiter in marode europäische betriebe wie saab investieren.

schon vergessen, dass jedwede buckeleien autoritäre regimes nur noch dreister und aggressiver machen? die gefangennahme ai weiweis ist ein test, an dem der westen selbst ablesen kann, was ihm seine demokratischen werte bedeuten. was? das können die westler auch aus ihrer eigenen geruchswolke destillieren? ach ja. und das wäre schon atemberaubend genug? die permanenz der krise. was soll bloß werden. verbeugung. ja, orban hat schließlich auch etwas chinesisches. erdogan: ein chinesischer dorfschranze. und wer könnte chinesischer sein als zum beispiel gaddafi oder assad? erfreut summen manche: immerhin ist china nicht nordkorea. und unter pol pot war es noch schlimmer in kambodscha.

noch hat das chinesische regime den jasmintee nicht verboten. und die deutsche aufklärungsausstellung in peking auch nicht. großartig. die gescheiterte europäische oberlehrer-diplomatie mit dem passenden schmeißfliegen-aperçu: das hat sich der künstler selbst zuzuschreiben. er hätte ja nicht müssen. ja, es ist künstlerInnen nicht vorzuschreiben, was sie müssen. sie müssen auch nicht politische kunst machen. und sie müssen nicht das „radikale“ feigenblatt für spekulative, unentschlossene politik sein.

das verschwindende gesicht

aber es gibt ein problem: ai weiwei steht symbolisch für viele künstlerInnen, die von totalitären systemen unterdrückt oder beseitigt werden. und all diese künstlerInnen sind nicht tagesgespräch bei ausstellungseröffnungen und anderen kunstereignissen. warum eigentlich?

seit dem dritten april ist ai weiwei verschwunden. vor unser aller augen. seit dem dritten april verschwindet aber auch etwas anderes: das gesicht der politischen diskurse im natürlich ebenfalls (wenn auch auf andere art als das in china) überhaupt nicht freien kunstfeld des „westens“. wir können sagen: der „westen“ sitzt tief in seiner neoliberalen kloake. aber trotzdem ist es darin – noch – möglich, und aus dieser möglichkeit sehr dringend, zu sagen: ai weiwei muss freigelassen werden! jetzt sofort und ohne weitere trotzhaltung.

das chinesische regime braucht kein westgeschleime mehr, sondern die konfrontation mit einer klaren haltung, die sich lautstark präsent macht. und die schleimer in unseren reihen brauchen gegnerInnen, die vermitteln: wir machen bei eurer kriecherischen kloaken-logik nicht mit. (fshuu tchak zuiin)


(10.5.2011)