KünstlerInnen brauchen Hilfe

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HOLLÄNDISCHE STAATSWILLKÜR GEGEN KUNST

Ist das ein erstes Anzeichen des politischen Absturzes der Niederlande? Einen „Staatsstreich“ gegen die eigene Kultur führt dort gerade die rechtspopulistische holländische Regierung unter Mark Rutte durch. Rund ein Drittel des Gesamtbudgets für Kunst und Kultur, 200 Millionen Euro, will Staatssekretär Halbe Zijlstra streichen. Während Polen soeben beschlossen hat, seinen Kulturhaushalt kräftig zu erhöhen, machen sich Rutte und Zijlstra an eine wahre Vernichtungsarbeit vor allem in den Segmenten Theater, Tanz und bildende Kunst.

Das ist nicht nur eine innere Angelegenheit dieses Landes, sondern eine Maßnahme von gesamteuropäischer Bedeutung. Bereits im Vorjahr hatte auch Italien sein ohnehin mageres Kulturbudget für 2011 um ebenfalls ein Drittel verringert. Heftige und umfangreiche Proteste waren die Folge, die Kürzung wurde zurückgenommen. Nun hat die italienische Kultur wieder ein in etwa gleich hohes Budget zur Verfügung wie 2010.

Kunstfeindliche Fratzen

Weder Holland noch Italien sind vom Staatsbankrott bedroht wie derzeit Griechenland. In beiden Ländern sind die „Einsparungen“ an der Kultur pure Willkürmaßnahmen extrem kunstfeindlicher Administrationen, die so die kalten und brutalen Fratzen ihrer neoliberalen Ideologie in einer weiteren Facette sichtbar machen. In einer Gegenwart der dicht vernetzten Kunst im gesamten europäischen Raum mit seinen Austauschprogrammen, internationalen Koproduktionen und intensivem Touring im darstellenden Bereich betreffen solche Attacken gegen die KünstlerInnen eines Landes das Kulturleben des gesamten Kontinents.

Die Beispielswirkung der Berlusconi-Regierung auf die konservative und, wie es etwa in dem Schweizer Sender DRS2 heißt, von Rechtsaußen Geert Wilders ferngesteuerte Rutte-Administration sowie auf Spanien und Großbritannien ist anscheinend der Anfang eines Flächenbrandes in der gesamten europäischen Kulturlandschaft, der übrigens auch in Österreich bereits zu glimmen begonnen hat. Wenn die niederländischen KünstlerInnen nun „Auf die Barrikaden!“ rufen, dann ist es auch ein Akt der Selbstverteidigung für alle europäischen Kulturschaffenden, sie in ihrem Widerstand zu begleiten und mit aller Kraft unterstützen. (ploebst)