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Filtermaschine Körper

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ANNA MACRAE - "WITH SUBTITLES" (1) IM WIENER WUK

Von Bettina Hagen


Nach einem Konzept der aus Neuseeland stammenden österreichischen Tänzerin Anna MacRae werden in ihrem neuen Stück with subtitles präzise Bewegungen und bedeutungsschwere Politiker-Zitate im großen Saal des Wiener WUK luftig miteinander verstrickt. Die Choreografie hat MacRae gemeinsam mit Min Kyoung Lee und Raul Maia erarbeitet. Mit ihnen teilt sie auch den Bühnenraum und damit die Aufmerksamkeit des Publikums. Die Bühne ist ein weißes Rechteck, das auch manchmal übertreten und an dem vom Publikum abgewandte Ende bespielt sein will. Schließlich wird in diesem textlastigen Stück von MacRae, die bereits mit Meg Stuart, Willi Dorner und Milli Bitterli gearbeitet hat, nicht alles so eng gesehen. Stummer Zeuge dieser Einstellung ist eine Plastikpalme, der schon auch einmal ein Wedel mit dem Mund entrissen wird.

Beim Einlass des Publikums liegen die drei PerformerInnen auf einem niedrigen, weißen Podest und beginnen sogleich zu sprechen, noch ehe sie sich bewegen oder verständlich artikulieren. Oder haben sie immer schon gesprochen? Sanft berühren sie ihre eigenen Körper, drehen sich einer nach dem anderen zur Seite, der erste verständliche Satz lautet: „Look at all of you.“ Langsam beginnt die Eroberung des Raumes, vom Podest auf den Boden, auf den Knien und schließlich im Stehen. Der vordere Rand des Podests dient in weiterer Folge als Folie für die Untertitelung, die „subtitles“, obwohl sich in diesem Fall eher die deutsche Bezeichnung Subtext aufdrängt. Dieser gibt unter anderem erklärend Auskunft, wie Gesten und Verhalten in Bezug auf den Wahrheitsgehalt von gesprochenen Inhalten zu lesen sind oder von wem die zitierten Wortspenden stammen.

Kein Anspruch auf einfache Lösungen

An Bewegung und Gesten der PerformerInnen fällt die erstaunliche Teilnahmslosigkeit auf, ein neutraler, lässiger Umgang mit so großen Themen wie Religion, Demokratie, Freiheit. Man hat das Gefühl, dass die gesprochenen Worte durch die Filtermaschine Körper ungehört verhallen können und so neutral wie die neutrale, unbeteiligte Bewegungssprache werden, egal wie groß die politische und gesellschaftliche Bedeutung ihrer Urheber war und ist.

Im Unterschied zu den Ergebnissen in der von Philipp Gehmacher im vergangenen Jahr initiierten „Walk and Talk“-Lecture- und Performance-Reihe im Tanzquartier Wien, in der es ebenfalls um das Verhältnis von Bewegung, Körper und Sprache ging, hat das Gesprochene bei MacRae nichts mit persönlichen Erfahrungen zu tun und führt so etwas wie ein Eigenleben. Zwar streifen einander die Bedeutung von Gesagtem und die vorgeführten Bewegungen manchmal, doch erheben sie in Bezug auf die Biografien der PerformerInnen keinerlei Anspruch auf einfache Einlösungen.

Überhaupt scheint die Individualität ausgeschaltet zu sein, nur einmal in einer kurzen Begegnung von Lee und Maia als Tanzpaar werden sie zu Mann und Frau, für einen Moment sind sie mehr als unpersönliche Sprachrohre. Ja, und dann gibt es noch diesen folkloristischen Einschlag, der sogar zu einem kurzen Volkstanz-Special führt. So reizvoll die Bewegungsabstimmung der drei TänzerInnen auch ist, gemeinsam mit den Zitatanhäufungen und den „Untertitelungen“ erzeugen sie mehr Ablenkung denn Konzentration, Stringenz oder gar Zu-Tage-Förderung einer Essenz - und damit sind auch nur wieder neue Texthülsen kreiert, die sie zur Körperverformung anregen könnten.


(30.10.2009)