Ai Weiwei ist nicht frei! |
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EINE FARCE DER CHINESISCHEN DIKTATUR
China ist ein Land, in dem zwei politische Höllen zu einem ganz besonderen Spektakel verschmelzen: alter Totalitarismus und neuer Kapitalismus. Daher liefert es auch Schauspiele, die von einer ganz besonderen Absurdität sind. „Ai Weiwei freigelassen“, heißt es seit gestern nachmittag in den Medien. Das ist falsch. Den berichteten Fakten zufolge darf der Künstler Peking nicht verlassen und keine Interviews geben. Von „freigelassen“ also keine Spur.
Falsch war auch schon zu sagen, dass Ai Weiwei „festgenommen“ oder „verhaftet“ worden sei, denn dies suggeriert eine rechtsstaatliche Handlungsweise, von der hier nicht die Rede sein kann. Vielmehr wurde er am 3. April auf dem Pekinger Flughafen entführt und verschleppt. Zweieinhalb Monate verbrachte er an einem geheimgehaltenen Ort. Was dort mit ihm geschehen ist, wissen wir nicht und werden es auch so schnell nicht erfahren. Die Vermutung liegt allerdings nahe, dass er von seinen staatlichen Entführern gefoltert wurde. Zynisch verlauten diese nun, er sei „chronisch krank“.
Eine billige Medieninszenierung
Der chinesische Premier Wen Jiabao macht sich in einigen Tagen auf Europatournee, und so wird vermutet, dass die „Freilassungs“-Inszenierung eine mediale Strategie ist, um dem Politiker allzuviele lästige Fragen zu ersparen. Sobald Jiabao wieder zu Hause ist, wird sich schon ein Grund finden, Ai Weiwei wieder verschwinden zu lassen. Ein Hinweis darauf ist, dass man sich nicht einmal die Mühe gemacht hat, dessen ebenfalls verschleppte Mitarbeiter aus der Versenkung zu holen.
Ein besonderer Gag an diesem Schauspiel ist das Nachäffen des amerikanischen Rechtssystems in der Meldung der Nachrichtenagentur Xinhua, der Künstler sei nach Hinterlegen einer Kaution „freigelassen“ worden. Medienberichten zufolge kennt das chinesische „Rechts“-System ein solches Vorgehen gar nicht. Eine lächerliche Farce also, die für Europa aber sehr wohl eine Gelegenheit darstellt, die eigenen Standards zu überprüfen und darauf zu bestehen, dass Ai Weiwei seine Reisefreiheit zurückerhält und dass auch seine Mitarbeiter auf freien Fuß gesetzt werden.
Im Zusammenhang mit dem Besuch Wen Jiabaos muss auch die Forderung nach einer umgehenden Enthaftung des Menschenrechtlers und Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo erneuert werden. Der Schriftsteller wurde am 25. Dezember 2009 zu elf Jahren Kerker verurteilt. Mit ihm sollen derzeit bis zu 5.500 politische Gefangene in der chinesischen Diktatur weggesperrt sein. (arctor)
(23.6.2011)
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