CPA 2011: abgeschossen

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EIN NEUES DESASTER DER WIENER KULTURPOLITIK

In allen möglichen Ländern werden Tanzplattformen abgehalten – auch in solchen, die wesentlich ärmer sind als Österreich, oder die von der verflossenen Finanzkrise viel empfindlicher getroffen wurden. In Haapsalu zum Beispiel fand vom 7. bis zum 9. April dieses Jahres die estnische Tanzplattform statt, und Budapest hatte seine DunaPart Platform im Jänner dieses Jahres. Die Kulturabteilung der Stadt Wien ist da anders. Sie hat die Finanzierung der für diesen Herbst geplanten Choreographic Platform Austria (CPA) abgesagt.

Die CPA 2011 wäre – so viel darf hier verraten werden – eine spannende, lebendige und überaus reichhaltige Präsentation der zeitgenössischen österreichischen Choreografie geworden, die konzentriert gezeigt hätte, wie viel der Tanz hierzulande heute erreicht hat.

Die Choreographic Platform Austria ist in ihrer organisatorischen Konstellation ein echtes Wunderwerk. Sie bündelt das Know-how der avanciertesten, Tanz kuratierenden Institutionen des Landes, die sich seit 2004 zusammensetzen, um über die Eigeninteressen als Festivals und Häuser hinweg und in der Vielfalt ihrer ästhetischen Ausrichtungen dem österreichischen Tanz in immer wieder unterschiedlichen Formaten eine „Messe“ anzubieten, in der die Message der Szene mit der Kunstvermittlung so verbunden ist, dass daraus kein Bauchladen wird wie in vielen vergleichbaren Veranstaltungen anderswo, sondern ein durchdachtes Distributionsformat, wie es sonst wohl nirgends existiert.

Weiteres Straucheln einer glücklosen Kulturpolitik

Dafür haben sich das Brut Wien, das CCL Linz (2004 und 2006), Impulstanz, die Sommerszene Salzburg, der Steirische Herbst, das Tanzquartier Wien und – in beratender Funktion – auch corpus zusammengetan und bisher drei Plattformen angeboten: 2004 in Salzburg, 2006 in Linz und 2009 in Graz. Alle drei CPAs folgten ausschließlich den Kriterien künstlerische Qualität, Gegenwartsrelevanz und Zukunftsorientiertheit und hatten damit sichtbaren Erfolg: viele der gezeigten Produktionen wurden ins Ausland eingeladen, und die österreichische Tanzszene konnte ihr Potenzial übersichtlich und konzentriert vermitteln.

Der Fußtritt der Wiener Kulturpolitik trifft einmal mehr die KünstlerInnen, die ohnehin bereits in ihrem Subventionsalltag der leider jüngerer Vergangenheit zunehmenden Willkür der für sie verantwortlichen Administration der Stadt und des Bundes ausgesetzt sind. Es ist eine Kulturpolitik, die aus der selbst gestellten Falle defensiver Verwaltung nicht herausfindet und mit der man eigentlich Mitleid haben müsste, wäre da nicht dieser Zynismus, diese Intransparenz und dieser hilflos erscheinende Rückzug aus der Realität der künstlerischen Entwicklungen, die zusammengenommen zeigen: Hier hat sich ein Apparat der öffentlichen Hand einfach von seiner Verantwortung gegenüber der Gegenwartskultur verabschiedet und behandelt nur noch als lästige Bürde, was die Zukunft unserer Gesellschaft gestalten will.

Und das so bedauerlich wie peinlich, denn in Salzburg, Linz und Graz war möglich, was der immer glückloser erscheinende Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny nun nicht zustande bringt. Will diese nur noch stolpernde Kulturpolitik nun so weitermachen? Als Ablehnungs- und Abwicklungsadministration, als Beschneidungsfaktor und Kunstverhinderer? Oder geht es vielleicht doch noch anders? Ein eventuelles Kalkül, die Koalition der TrägerInnen der Choreographic Platform Austria durch diese Ablehnung der Ausgabe 2011 zu entmutigen, geht schon einmal ins Leere. Alle Beteiligten werden von nun an noch „lästiger“ sein und noch engagierter für den Tanz eintreten. Garantiert. (fred arctor)

(9.6.2011)